ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: April 2019

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ZOE vom 15.04.2019, Heft 02, Seite 113 - 114, ZOE1300706
OrganisationsEntwicklung > Bücher > Rezension

Strategieentwicklung für Unternehmensfunktionen

Philipp Lüninghöner

Philipp Lüninghöner (PL), Organisationsberater, Kompetenzcenter Veränderungsmanagement Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH

E-Mail: philipp_lueninghoener@yahoo.de

Walter Dietl, Strategieentwicklung für Unternehmensfunktionen, Operative Bereiche und Funktionen strategisch ausrichten, Schäffer-Poeschel, 235 Seiten, Euro 39.95, 2018, E-Book: Euro 39.95

«Der gängige strategische Werkzeugkasten fokussiert auf die Unterstützung bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien. Die notwendige Anpassungsleistung wurde weithin den Anwendern im konkreten Prozess überlassen (…). Der Ärger darüber war eine der Motivationen für dieses Buch.»

Beratungsaufträge zur Entwicklung von Geschäftsstrategien auf Unternehmensebene sind eher selten. Weitaus häufiger arbeiten Beraterinnen mit Funktionsbereichen innerhalb der Organisationen. Strategieentwicklung auf dieser Ebene unterscheidet sich dabei wesentlich von der Arbeit mit der Gesamtorganisation – dennoch geht, wie Walter Dietl feststellt, der größte Teil der umfangreich vorhandenen Literatur von einer zu gestaltenden Geschäftsstrategie aus. Funktionsstrategien würden dann wahlweise als reine Ableitung oder als Input für die übergreifende Strategie beschrieben – beide Perspektiven blieben unbefriedigend. Die Darstellung eines zukunftsorientierten Prozesses zur Gestaltung einer Funktion oder eines Bereichs im konkreten Organisationskontext fehle bislang.Diese Lücke möchte der Autor mit dem vorliegenden Buch schließen. Bei aller inhaltlichen Unterschiedlichkeit von Unternehmensfunktionen wie IT oder Personal gebe es Denkmodelle und Werkzeuge, die generell für die Strategieentwicklung auf dieser Ebene nützlich seien. Dem Thema nähert sich Dietl auf Grundlage seiner Beratungserfahrung und mit systemischer Perspektive. Beides prägt das Buch positiv, etwa, wenn Hinweise mit gut nachvollziehbaren Beispielen unterlegt sind oder eine Interviewtechnik zugleich als Datenerhebungsmethode und als Intervention auf die Beziehung mit der befragten Person reflektiert wird.

Dietl betrachtet Funktionsstrategien im Buch einerseits als Perspektive, also als strategieorientierte Bearbeitung eines organisationsweit relevanten Themas (z. B. Personal). Von ihr unterscheidet er Strategien, welche die betreffenden Funktionsbereiche für sich entwickeln (Personalbereich). Beide stünden in einem anderen Verhältnis zueinander als ein Ganzes und seine Teile: Organisationen seien heute kein Puzzle mehr, in dem jeder Bereich feste Grenzen habe, die nur gut zusammenpassen müssten. Sie glichen vielmehr Hologrammen, wo in jedem Element das Ganze sichtbar werde.

Das Hauptkapitel füllt ungefähr drei Viertel des Buchs und beschreibt den Strategieentwicklungsprozess anhand der sieben Phasen der osb-Strategieschleife: Analyse, Optionen, Entscheidung, Zukunftsbild, Organisationsdesign, Controlling, Implementierung. Hinzu kommt hier die Verknüpfung der unterschiedlichen Strategieebenen. Dargestellt werden zu jeder Phase auch Besonderheiten für die Strategieentwicklung für Unternehmensfunktionen.

Das Kapitel umfasst zudem zahlreiche Tools, die zu diesem Zweck geeignet sind oder dafür adaptiert wurden. So finden sich im Buch ein Werkzeug zur Auswertung der Gesamtstrategie, welche für Funktionen und Bereiche einen wichtigen Bezugspunkt bildet, oder eine für diese Ebene angepasste Form des Business Model Canvas. Gestandene Instrumente, wie Umfeld- und Trendanalyse oder RACI-Methode, stehen neben Tools aus dem nutzerzentrierten oder agilen Arbeiten, wie Empathiekarte oder Value Proposition Design. Damit liefert Dietl eine gekonnte Auswahl geeigneter Werkzeuge auf der Höhe der Zeit.

Einen guten Fokus findet der Autor auch in den Kapiteln. So konzentriert sich etwa der Abschnitt zur Implementierung auf die für Funktionsbereiche relevanten Fragen der Gestaltung von eigener Rolle und Zusammenarbeit in der Matrix. Dadurch bleibt das Buch erfreulich kompakt. Zugleich ergänzt Dietl die Darstellung anschaulich mit Erfahrungen und Hinweisen zur Anwendung. Die Inhalte formuliert er präzise, klar und verständlich, ohne zu trivialisieren oder beeindrucken zu wollen. Strategieentwicklung enthalte kein besonderes Mysterium; diese Aussage lebt der Autor auf angenehme Weise vor.

«Strategieentwicklung für Unternehmensfunktionen» ist damit trotz des sperrigen Titels ein gut zugängliches Buch. Für Beraterinnen, die auf der Ebene von Bereichen und Funktionen zur Strategieentwicklung arbeiten, ist es als Ordnungsschema, Ideengeber und Werkzeugkiste unmittelbar nützlich. Aber auch wer nicht schon über meterweise Fachliteratur verfügt und ein grundlegendes Buch zu Strategieentwicklung sucht, ist hier bestens bedient. (PL)

Einen Beitrag des Autors zum selben Thema finden Sie auf S. 85

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