ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: April 2019

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ZOE vom 15.04.2019, Heft 02, Seite 100 - 102, ZOE1300690
OrganisationsEntwicklung > Erfahrung > Aufsatz

Systemisches Konsensieren

Eine echte Alternative zum Mehrheitsprinzip

Astrid Köppel

Astrid Köppel

Transformation Facilitator, NEWWORKABLES GmbH. Kontakt: astrid.koeppel@newworkables.de

Entscheidungen in Gruppen werden heute noch meistens nach dem Mehrheitsprinzip getroffen. Häufig deshalb, weil echte Alternativen kaum bekannt sind. Doch dem sogenannten demokratischen Mehrheitsprinzip, bei dem die Anzahl der Stimmen für einen Lösungsvorschlag entscheidend ist, liegen drei wesentliche Systemfehler immanent.

Artikel-Inhalt

  • Systemisches Konsensierens in der modernen Arbeitswelt: Die App Concide
    • Ein Beispiel aus der Praxis:

Zum einen schafft diese weit verbreitete Art, Entscheidungen zu treffen, Gewinner und Verlierer. Und das Gewinnen liegt oft auf einem fragwürdig schmalem Grat: im Extremfall ist 51:49 Prozent ein demokratisch legitimiertes Ergebnis und sagt eigentlich aus, dass die Hälfte der Menschen, die in diese Abstimmung einbezogen wurden, dagegen ist. Damit gelangt man zum zweiten Systemfehler: Es gibt keine Möglichkeit, den Grad der Ablehnung auszudrücken. Dieser kann sich zwischen den Polen «eben nicht erste Wahl, aber auch noch ok» und «ich bin total dagegen» bewegen. Die Möglichkeit der Enthaltung vergrößert die Unklarheit einer solchen Abstimmung. Wie groß die Kräfte sein können, die gegen eine solche Entscheidung wirken, wird also nicht bekannt. «Widerstand, der in einem System nicht ausgedrückt werden kann, wendet sich gegen das System» (Visotschnig et al. 2016). Dies wird durch den dritten Systemfehler des Mehrheitsprinzips noch verstärkt: die Tatsache, dass bei einer Abstimmung nur eine Stimme

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