ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: Januar 2019

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ZOE vom 15.01.2019, Heft 01, Seite 119 - 120, ZOE1290889
OrganisationsEntwicklung > Bücher > Rezension

Theorie und Praxis des systemischen Ansatzes

Karsten Trebesch

Karsten Trebesch (KT), Trebesch & Asociados, Beratung für Unternehmensentwicklung und Veränderungsmanagement; Mitbegründer der ZOE

E-Mail: trebesch@trebesch-asociados.de

Joop Willemse/Falko von Ameln, Theorie und Praxis des systemischen Ansatzes, Die Systemtheorie Watzlawicks und Luhmanns verständlich erklärt, Springer 2018, 227 Seiten, Euro 37.99, E-Book: Euro 29.99

«Der systemische Blick ist uns nicht angeboren. Er ist ungewohnt, facettenreich und widerspricht manchmal unseren üblichen Grundüberzeugungen.»

Sicher, systemische Literatur ist nicht immer leicht zu lesen bzw. deren Inhalte sind zunächst etwas fremd, da sie ungewohnt sind, vor allem für Anfänger. Aber dieses Buch des Hochschullehrers in Sozialarbeit und des Dozenten und Beraters ist darauf ausgerichtet, Leser mit einer einfachen Sprache dabei zu unterstützen, sich in das systemische Denken und Handeln einzuarbeiten. Es wird deutlich, dass sie es nicht darauf angelegt haben, ihre hohe Theoriefähigkeit und intellektuelle Brillanz zu demonstrieren. So ist das Buch sehr empfehlenswert, weil man sich als Entdecker erleben kann und Spaß am Verstehen gewinnt. Schließlich ist das Buch jenen zu empfehlen, die ihr Beratungs-Marketing um das Angebot systemischer Beratung erweitert haben, aber häufig in spekulativen Instrumenten (Fragetechnik) stecken bleiben.

Um sich auf die vielen Irritationen, die das Buch auslöst, vorzubereiten, würde ich empfehlen, die Lektüre mit dem Abschnitt «Die systemische Haltung» (Seite 55) zu beginnen. Wenn Ihre Abenteuerlust mit der Lektüre dieser vier Seiten steigt, sind Sie auf dem besten Wege der Neugiermotivation.

Das Buch bietet eine exzellente Darstellung, wie der systemische Ansatz entstanden ist, worauf er beruht, was der ZOE 01/2019 S. 120Zweck ist und was man damit bewirken kann. Das Ganze ist mit einer sehr großen Anzahl von Fallstudien und Beispielen unterlegt, was eine enorme Hilfe ist. Dabei ist es nicht nur auf den Aspekt wirtschaftender Unternehmen, sondern auch auf Familienkontexte und Sozialarbeit ausgerichtet.

Was ich vermisse, sind Illustrationen und Abbildungen, die die Strukturerfassung und Zusammenhänge der Konzepte erleichtern würden. Zudem wird das Kultur-Konzept so gut wie nicht behandelt.

Insgesamt ist diese Einführung ein exzellentes Buch, das sich einen Platz in der Bestenliste dieses Feldes erobern wird. Eben weil es ganz auf die Leser ausgerichtet ist. (KT)

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