ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: Januar 2019

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ZOE vom 15.01.2019, Heft 01, Seite 116 - 117, ZOE1290881
OrganisationsEntwicklung > Bücher > Rezension

Teamwork agil gestalten

Hubert Kuhn

Hubert Kuhn (HK), Volkswirt,

Trainer für Gruppendynamik DAGG und Organisationsberater, Schwerpunkte: Führungskräfte-Training, Diversity in Gruppen und Organisationen E-Mail: info@hubertkuhn.de

Alois Summerer/Paul Maisberger, Teamwork agil gestalten, Das Mitmachbuch, Hanser 2018, 347 Seiten, Euro 34, E-Book: Euro 26.99

«Sprint Review: Dieses wird gemeinsam mit allen Teams gleichzeitig in einem großen Raum durchgeführt.»

Dieses «Mitmach»-Buch will dazu anregen, selbstverantwortliche Teamarbeit ZOE 01/2019 S. 117und agile Arbeitsweisen in der eigenen Organisation einzuführen. Die erfahrenen Trainer und Berater stellen dafür einen umfassenden Leitfaden vor, was derzeit zu Agilität diskutiert wird. Gründlich und fundiert erklären sie, wie dieses Konzept entstand, was sich hinter Begriffen wie «Agilität», «scrum», «Kanban» oder «Design Thinking» verbirgt. Wer mehr am wissenschaftlichen und theoretischen Hintergrund interessiert ist, findet komprimierte und zutreffende Beschreibungen, wie sich Managementkonzepte entwickelt haben. Ein wesentlicher Motor, die klassische Arbeitsweise zu verändern, waren die Vorteile der japanischen Innovationen in der Automobilindustrie. Gegenüber der trägen und zeitraubenden Projektentwicklung wurden schon in den 1940er-Jahren unbürokratische und schnelle Verfahren in der Luftfahrtindustrie erprobt. Ausgereift und mittlerweile Standard in der Software-Entwicklung ist das sogenannte «scrum»-Vorgehen. Nach beeindruckenden Erfolgen und Untersuchungen zu einem return on investment von eins zu fünf bzw. bis eins zu zehn interessieren sich zunehmend auch andere Branchen über die IT hinaus für selbstverantwortliche Teams.

Besonders gefällt an diesem Buch, dass es neben theoretischer Klarheit und vielen praktischen Beispielen zum Organisationsalltag auch die Prinzipien und Methoden agiler Zusammenarbeit beschreibt. Etwa, sich in überschaubaren Zeiteinheiten, sogenannten «sprints», zu organisieren. Nach jedem Kapitel ist der Leser gefordert, eigene Ideen und Vorhaben aufzuschreiben, diese dann zu priorisieren, den vermutlichen Zeitaufwand zu schätzen und anschließend umzusetzen. Am Ende des «sprints» steht die «Retrospektive» mit einer Reflexion der Stärken und Verbesserungsmöglichkeiten der zurückliegenden Zeiteinheit. Neben weiteren scrum-Instrumenten betonen die Autoren, dass es wichtig ist, die Rollen von Führungskräften und Teammitgliedern zu klären. Der wesentliche Vorteil dieser Arbeitsweise liegt in der hohen Selbststeuerungsmöglichkeit des Teams. Dazu braucht es im Team klare Rollen, die auf den Arbeitsprozess und seine Verbesserung schauen – scrum-master –, auf die Anforderungen des Kunden – product owner – und schließlich das Entwicklungsteam. Herausfordernd für die Führungskraft kann es sein, aus der bisherigen hierarchischen «command and control» Haltung heraus eine eher dienende Führungsrolle zu entwickeln. Auch hierzu geben die Autoren hilfreiche Modelle und praktische Reflexionshilfen.

Fazit: Ein hervorragendes Buch, um sowohl agiles Arbeiten zu verstehen als auch erste Schritte der Veränderung zu gehen. (HK)

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