ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: Januar 2019

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ZOE vom 15.01.2019, Heft 01, Seite 115 - 116, ZOE1290877
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Moderationskompetenzen

Prof. Dr. Joachim Freimuth

Prof.Dr. Joachim Freimuth (JF), selbst. Berater, Trainer und Coach. Schwerpunkte: Veränderungsmanagement, Führung, Konfliktmoderation, Human Resource Management

E-Mail: joachim.freimuth@t-online.de

Stefan Groß, Moderationskompetenzen, Kommunikationsprozesse in Gruppen zielführend begleiten, Springer 2018, 183 Seiten, Euro 37.99, E-Book: Euro 29.99

«Vieles sieht auf den ersten Blick einfacher aus, als es in der Anwendung auf der Moderationsbühne tatsächlich ist.»

Moderationsmethoden wurden in Deutschland vor ca. 60 Jahren aus der Praxis entwickelt und beschränkten sich zunächst auf wenige Techniken und einige Grundsätze zum Verhalten bzw. der Haltung des Moderators. Im Wesentlichen bestand das Repertoire aus Visualisierung und interaktiver Gruppenarbeit unter Anleitung eines neutralen Moderators. Hinzu kam eine Reihe von Grundsätzen, die an das damals vorherrschende Führungsverständnis rührten, Transparenz, Partizipation und Gruppenarbeit. Dieser Kern der Moderation hat nach wie vor Geltung, aber das Spektrum an Moderationskompetenzen ist deutlich anspruchsvoller geworden. Diese sollen im vorliegenden Band erläutert und entwickelt werden.

Der Autor unterscheidet zunächst vier Formen bzw. auch Anlässe für Moderationen, Problemlösungen, Entscheidungsfindung, Konfliktklärung und Innovationen, die jeweils ganz unterschiedliche Anleihen aus anderen Feldern etwa der sozialpsychologischen Beratung oder dem agilen Methodenkanon aufnehmen: von der Systemtheorie über Mediation und Design Thinking bis hin zum Innovationsmanagement. Der Titel des Buches, «Moderationskompetenzen», soll demzufolge darauf hindeuten, dass der Moderator zu einem Experten der Steuerung von komplexen Einigungsprozessen geworden ist, die auf einem breiten Verständnis verschiedenster derartiger Ansätze beruht. Die konkrete Moderation geht dabei immer auch über diese Versatzstücke hinaus. Die Kompetenz des Moderators zeigt sich darin, dass sie sich mit dem konkreten Problem- und Konfliktlösungsprozess der Gruppe verbindet und Lösungen gleichsam organisch initiiert. Die Vorgehensweise ist im Hintergrund, ebenso wie der Moderator, aber: «Vieles sieht auf den ersten Blick einfacher aus, als es in der tatsächlichen Anwendung auf der Moderationsbühne tatsächlich ist.» (S. 50). Nicht immer gelingt es, den richtigen Griff zu tun, daher ist Vorbereitung die halbe Miete, so Stefan Groß weiter, aber auch der Mut, aus seiner eigenen Komfortzone herauszugehen und etwas zu probieren. Moderation gehört insofern zu den riskanten Professionen, weil sie auch scheitern kann. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Selbstreflexion des Moderators. Er benötige auch, so Stefan Groß, ein Taktgefühl für «den richtigen Zeitpunkt und das rechte Maß.» Das Gespür entstehe durch Erfahrung, dosiertes Ausprobieren und Reflexion. Ein guter Moderator zeichne sich aber auch dadurch aus, «was er klugerweise unterlässt.» (S. 51).

Das Buch ist sehr klar strukturiert und der Autor versteht es, in den einzelnen Abschnitten immer wieder in die Tiefe zu gehen, Beispiele einzubauen, konzeptionelle Hintergründe auszuleuchten, Einblicke zu geben und auch für erfahrene Moderatoren sehr konkrete Hinweise zu geben. Die Argumentation verrät durchweg eine große Erfahrung mit unterschiedlichen Formen von Gruppenprozessen und ihrer theoretischen Durchdringung. Stefan Groß verarbeitet eine ZOE 01/2019 S. 116sehr breite Literaturbasis, die wichtige konzeptionelle Bezüge herstellt, insbesondere aus dem systemischen Paradigma, jedoch ohne diese als die alleinige Wahrheit zu präsentieren.

Das Buch ist trotz der Vielzahl von Büchern über das Thema eine Bereicherung. Es eignet sich für alle Kollegen, die moderierend mit Gruppen arbeiten, nicht nur in klassischen Workshops, sondern etwa auch in Projekten oder in agilen Kontexten. Auch Führungskräfte, die ihre Meetings verbessern wollen, werden profitieren. (JF)

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