ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: Januar 2019

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ZOE vom 15.01.2019, Heft 01, Seite 112 - 113, ZOE1290873
OrganisationsEntwicklung > Perspektiven > Aufsatz

Der digitale Vorteil — Erfolgsstrategien der Digital Masters

Die Bedeutung digitaler Transformationen ist eindeutig verstanden. Ein IDC Forecast erwartet bis 2021 eine Investitionssumme von über zwei Billionen Dollar. In der Studie «Understanding Digital Mastery Today: Why companies are struggling with their digital transformations» haben wir über 1.300 Führungskräfte befragt, wie weit die Umsetzung vorangeschritten ist. Das Ergebnis zeigt deutlichen Handlungsbedarf: Unternehmen nehmen die Tragweite der digitalen Transformationen auf die Mitarbeiter nach wie vor nicht ernst genug.

Die erste Welle der digitalen Transformation ist umgesetzt. Die Mehrheit der deutschen Unternehmen verfolgt mittlerweile aktiv eine Digitalisierungsstrategie, um ihre Kundenerfahrung, ihre operativen Prozesse oder ganze Geschäftsmodelle zu optimieren – so eine aktuelle Bitkom-Studie. Wir haben untersucht, wie weit die Unternehmen mit ihrer digitalen Transformation in den letzten sechs Jahren – seit der Vorgänger-Studie – gekommen sind. Man sollte klare Fortschritte erwarten, doch das Ergebnis sieht anders aus: Organisationen sind heute in der Umsetzung der digitalen Transformation kaum weiter als damals.

Nur eine Minderheit der Unternehmen verfügt über die richtige digitale Kompetenz (international 39 Prozent, in Deutschland 31 Prozent) und das entsprechende Transformationsmanagement (international 35, in Deutschland 30 Prozent). Das größte Versäumnis aber betrifft den Faktor Mensch: Unternehmen schaffen es bisher nicht ausreichend, ihre Mitarbeitenden aktiv in die digitale Transformation einzubinden und sie entsprechend auf die Veränderungen vorzubereiten. Ian Rogers, Chief Digital Officer bei LVMH, bringt es auf den Punkt: «Der größte Moment für eine ZOE 01/2019 S. 113Organisation ist, wenn sie versteht und annimmt, dass digitale Transformation kein technisches Problem ist, sondern ein Kulturwandel».

Was machen Digital Masters besser?

Sie investieren stärker in ihre digitalen Fähigkeiten: Digital Masters verstehen ihre Kunden besser, etablieren Standardprozesse dazu und nutzen Daten über alle Unternehmensbereiche hinweg. 71 Prozent der Digitalen Masters nutzen neue Technologien nicht nur in kundenseitigen, sondern auch in operativen Prozessen. Vor allem aber heben sie sich hinsichtlich ihrer Leadership-Fähigkeiten von anderen Unternehmen ab. Vier Empfehlungen lassen sich für die Transformationsbegleitung ableiten:

  • Digital Masters haben eine starke digitale Kultur geschaffen, die sich ständig auf den Prüfstand stellt und weiterentwickelt. 60 Prozent der Digital Masters übertragen ihren Mitarbeitenden Verantwortung für die Umsetzung neuer Ideen. Dabei ist es wichtig, kontinuierlich Feedback zu geben und Verhaltensweisen zu belohnen, die für die digitale Kultur des Unternehmens förderlich sind. Microsoft etwa hat sich unter Führung von CEO Satya Nadella in Richtung lernende Organisation neu erfunden und dadurch seinen Aktienkurs verdreifacht.

  • Digital Masters haben Strukturen und eine Governance umgesetzt, die stark mit der digitalen Vision gekoppelt sind. 61 Prozent der Digital Masters geben an, Rollenbeschreibungen und KPIs an die Transformationsziele angepasst zu haben. Im Durchschnitt aller Studienteilnehmer ist dies bei nur bei 33 Prozent der Fall. «Der Vorstand und der CEO müssen vollständig hinter dem Transformationsprogramm stehen,» sagt Mats Munkhammar, Senior Vice President und CIO/IT Direktor von Green Cargo, einem schwedischen Logistik Unternehmen. «Außerdem muss man die Organisation für das Programm begeistern und die Einbindung sicherstellen.»

  • Digital Masters befähigen ihre Mitarbeitenden: Sie schaffen ein gutes Umfeld für Lernen und Experimentieren und arbeiten aktiv daran, Kompetenzlücken zu schließen. Bei fast 70 Prozent der Digital Masters haben die Mitarbeitenden die notwendigen Kompetenzen, während dies lediglich auf ein Viertel der Unternehmen zutrifft, die noch am Anfang ihrer digitalen Transformation stehen.

  • Digital Masters arbeiten in neuen Strukturen zwischen Business und IT. Fast zwei Drittel der Digital Masters sagen, dass es für sie einfach ist, funktionsübergreifende Teams zu organisieren – verglichen mit 19 Prozent der Anfänger. Volvo etwa hat die Rollen des CIO und CDO zusammengelegt. Dadurch können die externe Kundenzentrierung und Innovation sowie die interne Digitalisierung leichter gemeinsam vorangetrieben werden.

Der Weg der digitalen Transformation führt die Unternehmen zum Erfolg, die ihn gemeinsam mit ihren Mitarbeitenden gehen. Dazu muss die große Mehrheit der Unternehmen ihre Rolle in der Digitalisierungsstrategie deutlich stärker berücksichtigen. Denn «ohne klaren Plan für die Umsetzung wird man es nicht schaffen, die Organisation zu überzeugen», stellt Munkhammar fest.

Claudia Crummenerl, Globale Leiterin People and Organization Practice bei Capgemini Invent, claudia.crummenerl@capgemini.com

Isabell Schastok, Strategie-Beraterin im Bereich People & Organisation bei Capgemini Invent, isabell.schastok@capgemini.com

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