ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: Januar 2019

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ZOE vom 15.01.2019, Heft 01, Seite 46 - 50, ZOE1290825
OrganisationsEntwicklung > Gespräch > Interview

Fair Play

Ein Gespräch mit Philipp Lahm über sein Wirken als Stifter und Unternehmer

Philipp Lahm

Philipp Lahm

Vorstandsvorsitzender der Philipp Lahm-Stiftung, die 2007 gegründet wurde und ihren Sitz in München hat. Kontakt: info@philipp-lahm-stiftung.de

Philipp Lahm hat als Fußballspieler alle Titel gewonnen und galt trotzdem als sehr fairer Spieler. Kein einziges Mal in seiner Karriere wurde er vom Platz verwiesen. Auch in seinen Rollen als Stifter und Unternehmer ist es ihm ein Anliegen, die Werte eines fairen Miteinanders zu etablieren. Wie Philipp Lahm in seinen Führungsaufgaben außerhalb des Spielfelds wirkt und welche Erfahrungen er dabei aus dem Profi-Fußball nutzen kann, hat unsere Redakteurin Dr. Brigitte Winkler mit ihm besprochen.

Philipp Lahm

ZOE: Herr Lahm, schon lange vor Ihrem Rücktritt als aktiver Fußballspieler und langjähriger Kapitän des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft gründeten Sie die Philipp Lahm-Stiftung, die zum Ziel hat, soziale Werte zu vermitteln und die Bildung von Kindern und Jugendlichen aus unterprivilegierten Verhältnissen zu fördern. Was möchten Sie mit Ihren Initiativen konkret bewirken?

Lahm: Ich möchte Kindern, die keine so privilegierte Kindheit hatten wie ich, etwas von meinem Glück abgeben. Ich hatte eine Familie, Freunde und einen Verein mit vielen Leuten, die sich um mich gekümmert haben. Ich weiß, dass nicht jeder das Privileg hat, so aufzuwachsen. Als Fußballprofi durfte ich viel Geld verdienen, und da hat man eine gesellschaftliche Verantwortung, der ich gerecht werden will. Daher habe ich diese Stiftung gegründet. Sie ist in den Bereichen Sport und Bildung, die mir sehr wichtig sind, mit Projekten in Deutschland und Südafrika tätig.

ZOE: Wie halten Sie nach, dass Ihre Initiativen die intendierten Ziele erreichen bzw. nachhaltige Veränderungen bewirken?

Lahm: Das ist schwer zu messen. Ein Erfolg ist, dass wir mit unseren Projektpartnern über einen längeren Zeitraum stabil zusammenarbeiten. Unsere Partner führen die verschiedenen Projekte schon lange motiviert und tatkräftig durch. Wir erweitern die Projekte und entwickeln sie ständig weiter. Mein ehrenamtliches Stiftungsteam ist sehr engagiert. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und natürlich sehe ich es als absoluten Erfolg an, dass unsere Projekte immer gut besucht sind und die Kinder gerne kommen. Daraus ziehen wir auch die Motivation, immer weiter zu machen.

ZOE: Im Rahmen Ihrer Stiftungsarbeit sehen Sie sportliche Aktivitäten als wesentlichen Beitrag für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Ihrer Erfahrung nach: Welche Kompetenzen werden durch Sport, insbesondere Fußball, besonders gefördert?

Lahm: Im Sport lernt man vor allem, im Team respektvoll miteinander umzugehen, aber auch Regeln einzuhalten. Das erachte ich für sehr wichtig und wir versuchen das natürlich auch zu vermitteln. Im Sommercamp fokussieren wir uns auf die Themen Bewegung, Ernährung und Persönlichkeitsentwicklung. In dieser intensiven Woche erleben die Kinder in einem traumhaften Ambiente viele verschiedene Themen, bis hin zum Kühe melken im Biobauernhof. Kinder können im Camp ihre Fähigkeiten kennenlernen, um in der Gruppe optimal agieren zu können. Dadurch gehen sie gestärkt zurück und wissen, worin sie gut sind und woran sie weiterarbeiten wollen. Ich weiß, dass wir in einer Woche Sommercamp nicht das Leben verändern können, aber die Kinder können Erfahrungen mit nach Hause nehmen, was ein Anstoß sein kann, sich weiter darüber Gedanken zu machen.

ZOE: Gibt es Anschlussprozesse, mit denen Sie die Entwicklung der Kinder weiter betreuen bzw. nachverfolgen, um diesen Effekt nicht verpuffen zu lassen?

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Lahm: Wir holen Feedback ein. Teilweise bekommen wir Briefe von Kindern und Eltern. Anfangs hatten wir versucht, eine Plattform einzurichten, damit die Kinder untereinander in Kontakt bleiben können. Das wurde jedoch nicht so aktiv angenommen. Die Kinder halten von sich aus Kontakt, wenn sie sich gut verstanden haben. Am Abholungstag haben die Kinder einen halben Tag Zeit, um die Eltern durch das Sommercamp zu führen und ihnen zu zeigen, was sie erlebt haben. Zudem nehmen sie Bücher mit nach Hause, die sie selbst in dieser Woche erarbeitet haben. Deswegen hoffen wir, dass die Themen auch danach präsent bleiben. Aus meinem Bekanntenkreis erfuhr ich zum Beispiel von einem übergewichtigen Mädchen, das immer viel Cola getrunken hatte. Durch das Sommercamp wurde ihr aufgezeigt, wie viel Zucker darin enthalten ist. Seitdem hat sie keinen Schluck Cola mehr getrunken und enorm abgenommen. Das war für mich schön zu sehen.

ZOE: Oftmals ist es schwierig, bei sozialen Initiativen in anderen Ländern die lokalen Besonderheiten und vielleicht auch unerwünschte Nebeneffekte, die diese Initiativen auslösen können, im Blick zu behalten. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Initiativen in Südafrika Früchte tragen? Wie vernetzen Sie sich mit der lokalen Community oder lokalen Bildungseinrichtungen?

Lahm: In Kapstadt unterstützen wir mit dem Projekt «Soccer in Philippi» den iThemba Labantu FC im Township Philippi, der am Community Center iThemba Labantu angesiedelt ist. Hier wird eine umfangreiche Jugendarbeit und die Heranführung an Bildungsangebote gefördert. Um dieses Community Center befinden sich Behausungen, die teilweise Wasser und Strom haben. Unser Johannesburg-Projekt «Shongi Soccer» ist in einem noch viel ärmeren Slum angesiedelt, mit armseligsten Hütten ohne Strom und fließendem Wasser. Ende 2008 haben wir hier den Bau eines Sportplatzes zwischen zwei Townships realisiert, an dem regelmäßige Trainings und Spiele stattfinden können. Mittlerweile haben wir das Projekt auf fünf lokale Schulen ausgeweitet und es nehmen 1.800 Kinder an einer Liga teil, die wir gestartet haben. Unsere sechs festen Trainer stammen alle aus den jeweiligen Townships, vier von ihnen sind schon seit neun Jahren dabei. Es bringt nichts, einen Trainer aus Deutschland hinzuschicken, sondern die Leute vor Ort müssen diese Projekte zu ihren Projekten machen. Unsere Aufgabe ist es zu kontrollieren, dass das läuft. Die Trainer haben im Rahmen des Projektes alle den ersten SAFA (South African Football Association) Trainerschein erworben und die Hälfte jetzt auch den zweiten. Externe Profis nahmen die Trainerqualifizierungsprüfungen ab; das war schwer für unsere Trainer, aber sie haben bestanden und sind sehr stolz darauf. Für die Kinder ist es gut zu sehen, dass es jemand aus dem Township zum qualifizierten Trainer gebracht hat.

Vor Ort arbeiten wir mit einer Partnerorganisation, der südafrikanischen NGO Dreamfields, zusammen, die den Fußballplatz gebaut hat. Wir haben alle vier Wochen ein Skype-Meeting und Dreamfields ist jede Woche einmal vor Ort, kontrolliert die Aktivitäten und bezahlt die Gehälter der Trainer, die von uns finanziert werden.

Unser Ansatz in Südafrika ist es, Kindern die Möglichkeit zu geben, mit ihrer Zeit etwas anzufangen, von zu Hause wegzukommen und an fixen Terminen ein Ziel zu verfolgen. Hier geht es uns darum, zu vermitteln, was es bedeutet, in einem Team zu spielen, in das ich mich einbringen kann und das mich unterstützt. Bei den Projekten in Südafrika sehen wir, dass die Kinder jeden Nachmittag zum Training kommen, weil sie Teil der Mannschaft sein wollen. Es gibt sonst für diese Kinder keine Aktivität, in die sie kontinuierlich eingebunden sind. Wir haben zum Beispiel im Johannisburg-Projekt am Wochenende Turniere und Pflichtspiele in unserer eigenen Liga eingeführt, und jetzt haben sie auch Pflichtspiele in der lokalen Liga. Durch die Einbindung in die längerfristige Disziplin, zu den Spielen und ins regelmäßige Training zu kommen, kann man die Entwicklung der Kinder auch dauerhaft mitverfolgen. Es sind jeweils im Durchschnitt um die 200 Kinder, die für unser Trainingsprogramm angemeldet sind, und ca. 80, die jeden Tag teilnehmen. Manche kommen sogar mehrmals die Woche.

ZOE: Evaluieren Sie den Social Impact Ihrer Aktivitäten in Südafrika?

Lahm: Wir haben uns lange mit diesem Thema auseinandergesetzt und stehen jetzt am Anfang eines Evaluierungsprojekts ZOE 01/2019 S. 48in Zusammenarbeit mit der University of Pretoria. Wir sehen keine Möglichkeit, statistisch zu belegen, was unser Impact ist, da wir ja auch nicht abschätzen können, ob das ohne unser Projekt nicht auch passiert wäre. Zudem ist es schon schwer genug, von den Eltern einen Bogen mit der Registrierung des Kindes ausfüllen zu lassen, daher wäre eine quantitative Evaluation z. B. mit Fragebögen gar nicht möglich.

Qualitativ verlassen wir uns auf Feedback, auf Beobachtung und Begleitung von Kindern. Wir holen immer Rückmeldungen ein und versuchen mit den Kindern, die durch das Projekt gelaufen sind, Kontakt zu halten. Zum Beispiel macht ein Mädchen, das mehrere Jahre in unserer Mädchenmannschaft spielte, jetzt eine Ausbildung zur Krankenschwester. Erfolg ist für mich, dass wir seit 2009 vor Ort sind, unser Angebot angenommen wird und wir es sukzessive weiterentwickeln können.

In den Ligaspielen haben wir einen Fairplay-Pokal eingeführt, für die Mannschaft, die sich nach Einschätzung der Schiedsrichter am fairsten gegenüber den Mitspielern, dem Trainer und dem Schiedsrichter verhalten hat. Dass auf dem Fußballplatz ein respektvolles Miteinander und Regeln eingehalten werden, allein das ist für einige ein wichtiger Lernprozess.

ZOE: Gibt es Werte oder Erfahrungen aus Ihrer Zeit als aktiver Fußballspieler, auf die Sie in Ihrer Stiftungsarbeit zurückgreifen können?

Lahm: Ganz klar: Wie verhalte ich mich eigentlich in einer Gruppe. Fair Play, Teamgedanke, respektvoll miteinander umzugehen, das sind definitiv Werte, die im Fußball großgeschrieben werden. Offen, ohne irgendein Vorurteil auf Menschen zuzugehen. Im Fußball treffen viele Kulturen aufeinander. Die Schwächen von meinem Nebenmann zu korrigieren oder meine Stärken einzubringen, um andere Schwächen zu egalisieren, das ist im Fußball enorm wichtig.

Ich war nie der Stürmer und wusste, ich brauche jemanden da vorne. Aber der vorne weiß auch, dass er mich hinten braucht. Verschiedene Aufgaben zu haben, seine Stärke zu finden und diese dem Team zur Verfügung zu stellen, das ist es, was ich im Fußball gelernt habe. Das kann man sehr gut in die Stiftungsarbeit transportieren oder den Kindern auf einfache Art und Weise vermitteln. Sie sehen ja auch das Spiel und beobachten ganz genau, wer mit wem gut zusammenarbeitet. Weitergedacht denke ich, dass diese Verhaltensweisen auch zu einer offenen Gesellschaft beitragen. Ich weiß, das ist nur ein kleiner Teil, den ich hierfür mit meiner Stiftung beitragen kann, aber das wäre es, was ich mir für die Zukunft wünsche.

ZOE: Was haben Sie persönlich während Ihrer langjährigen Stiftungsarbeit bei der Implementierung von sozialen Initiativen gelernt? Was würden Sie anderen Stiftern empfehlen, die Gutes tun wollen?

Lahm: Ich bin ein Freund davon, eigene Projekte ins Leben zu rufen, in Bereichen, die einem persönlich wichtig sind, sich für die Umsetzung vor Ort mit kompetenten Partnern zu vernetzen und dabei langjährige Partnerschaften zu etablieren. Weniger ist dabei mehr, d. h. es ist besser, sich auf wenige Projekte zu konzentrieren, aber diese dann nachhaltig mit Hilfe von Feedback immer weiterzuentwickeln.

ZOE: Neben der Stiftungsarbeit investieren Sie mit strategischen Beteiligungen in Unternehmen, die den geschäftlichen Fokus auf die Themen Gesundheit, Pflege sowie bewusste und selbstbestimmte Lebensführung legen. Hierzu zählen unter anderem die Beteiligungen an Sixtus und Schneekoppe. Was reizt Sie an der unternehmerischen Tätigkeit und welche Kriterien ziehen Sie für die Auswahl der Unternehmen heran?

Lahm: Meine Karriere verlief in verschiedenen Schritten: Erst wollte ich Profi werden, dann war ich Profi. Damit war für mich eine gesellschaftliche Verantwortung verbunden und ich habe die Stiftung gegründet. Danach wurde ich Führungsspieler bzw. Kapitän. Zugleich habe ich mir Gedanken gemacht, ZOE 01/2019 S. 49was ich nach meiner Fußballkarriere machen möchte. Für die Stiftung habe ich immer Zeit, weil sie mir Freude macht, aber ich wollte trotzdem noch einen anderen Bereich kennenlernen und Unternehmertum hat mich einfach interessiert. So habe ich vor meinem Karriereende schon angefangen, bei Sixtus einzusteigen, eine Holding zu gründen, um einfach noch etwas Neues zu lernen. Die Unternehmen müssen zu mir und dem Thema, das mich interessiert – gesunde Lebensweise – passen.

ZOE: Wie sehen Sie Ihre Rolle als Unternehmer?

Lahm: Ich bin als hundertprozentiger Eigentümer der Sixtus Werke Schliersee GmbH oder auch als Mehrheitseigner von Schneekoppe in beide Firmen voll involviert. Ich sehe mich als Teil eines Teams mit der Geschäftsführung und den Mitarbeitenden der jeweiligen Firmen.

ZOE: Jetzt haben Sie ja auch Unternehmen übernommen, die – wie z. B. Schneekoppe, welches 2014 in die Insolvenz geriet – Sanierungsbedarf haben. Wie versuchen Sie hier vorzugehen?

Lahm: Zwei Traditionsunternehmen in die Moderne zu entwickeln ist etwas sehr Interessantes. Wenn ich ein Unternehmen genommen hätte, das einfach nur so läuft, wie hätte ich mich einbringen können? Wir müssen uns hier mit allen Themen beschäftigen und man lernt einfach sehr viel dabei. Nehmen wir das Beispiel Digitalisierung. Ich bin darin kein Fachmann, aber mir helfen Experten das Thema in der Arbeitswelt der Firmen zu etablieren. Das finde ich absolut interessant.

ZOE: Wie wirken Sie selbst in die Führungskultur der Unternehmen, die Sie besitzen oder an denen Sie beteiligt sind, hinein? Welchen «Fußabdruck» möchten Sie als Philipp Lahm in diesen Unternehmen setzen?

Lahm: Mein Stil ist, wie ich im Fußball auch geführt habe. Ich will, dass alle beteiligt sind, dass alle sich Gedanken machen über das Unternehmen, über die einzelnen Produkte und Prozesse. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass alle Mitarbeiter eingebunden und motiviert sind, das Unternehmen nach vorne zu bringen. Verschiedene Generationen brauchen dabei verschiedene Ansprachen, das ist ganz normal, weil sie in der Kindheit jeweils durch eine andere Zeit geprägt wurden.

ZOE: Wie organisieren Sie die Beteiligungsstrategien für Ihre Unternehmen? Welche Führungsprinzipien wenden Sie an?

Lahm: In einem gemeinsamen Strategieprozess mit dem Management entwickeln wir die übergeordnete Idee, in welche Richtung es mit den Firmen gehen soll. Davon leiten wir dann einzelne Maßnahmen ab, diskutieren sie und geben sie in die Umsetzung, kontrollieren und evaluieren diese und leiten dann wieder die nächsten Schritte davon ab. Das ist kein top-down Prozess wie in einem Großkonzern, sondern die gemeinsame Richtung entsteht im Diskurs. Wir haben jede Woche ein Meeting, in dem wir besprechen, was wir gemacht haben, und wo es hingehen soll. Mitarbeitende merken, wenn das Management hinter Entscheidungen steht. Im Fußball als ich Kapitän war, habe ich auch aus der Mitte heraus kooperativ beteiligungsorientiert geführt und hatte immer Führungsspieler um mich herum, wie z. B. Manuel Neuer, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, mit denen ich die Richtung, in die es gehen soll, diskutiert habe und die das dann gerne mitgetragen haben. Diesen Stil setze ich auch als Unternehmer fort. Wir diskutieren mit den Leitern der verschiedenen Abteilungen unsere Strategie und beschließen, wie wir geschlossen nach außen diese Strategie sowie die Positionierung der Marke vertreten und umsetzen wollen. Verbündete zu haben, die das eigene Führungskonzept mit verbreiten, ist sehr wichtig. Auch sind zu viele Hierarchieebenen kontraproduktiv. Hierarchie muss sein, da sie Orientierung gibt und am Ende muss irgendjemand Entscheidungen treffen. Dafür hole ich von verschiedenen Experten Meinungen ein, um am Ende eine gute Basis für die Entscheidung zu haben.

ZOE: Mit welchen neuen Herausforderungen sehen Sie sich in der Rolle als Unternehmer konfrontiert? Wie eignen Sie sich unternehmerisches Wissen an?

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Lahm: Ich weiß, dass ich Fachmann im Fußball bin und ich werde mir in keinem anderen Fachgebiet mehr so viel tiefgehendes Wissen aneignen können. Als Unternehmer sehe ich mich als Lernender und als Mitglied eines Teams. Ich muss mich mit Fachleuten austauschen, deren Meinung gelten lassen, um gute Entscheidungen zu treffen. Kommunikation ist ja im Fußball wie überall, finde ich, das A und O. Ich erhalte durch Gespräche Verständnis für die Themen und dadurch eigne ich mir nach und nach Wissen an.

ZOE: Wodurch entstand der außerordentliche Teamspirit von «Der Mannschaft», die ihr zum WM-Sieg 2014 verhalf? Lässt sich davon etwas auf die Teamarbeit in Unternehmen übertragen?

Lahm: Ich bin mir nicht sicher, ob das auf Unternehmen übertragbar ist. Aber 2014 hatten wir beispielsweise den perfekten Campus, der uns als Mannschaft die Möglichkeit gab, häufig auch außerhalb der Trainingseinheiten zusammenzutreffen, sich aber auch zurückzuziehen. Wir hatten ein klares Ziel und es gab viele in der Mannschaft, die Verantwortung übernehmen wollten, und mithalfen, den Weg vorzugeben. Wir haben darauf geachtet, dass keiner auf der Strecke bleibt, sondern alle den Weg zum Ziel kennen und mittragen. Auf allen Positionen hatten wir Top-Spieler, die ihre Stärken dem Team zur Verfügung stellen und sich auch hinten anstellen können, um das Team voranzubringen. Ich denke, 2014 hatten wir diesen Teamspirit in Perfektion erreicht. Es war für den Erfolg entscheidend, dass wir als Mannschaft jedes Spiel angegangen sind, zusammengehalten und Verantwortung für das Ganze übernommen haben.

ZOE: In Ihrem Buch «Der feine Unterschied» schreiben Sie auf Seite 260: «Wir sind moderne Gladiatoren. Softies haben im Fußball keinen Erfolg.» Trotzdem sind Sie als Spieler während Ihrer langen Karriere kein einziges Mal vom Platz verwiesen worden und gaben damit ein Beispiel, dass Fair Play und Erfolg sich nicht widersprechen müssen. Wie haben Sie das geschafft? Was bedeutet Fair Play für Sie in Ihrer neuen Rolle als Unternehmer?

Lahm: Ich würde sagen, ich hatte immer Respekt vor dem Gesamten. Respekt vor meinen Gegnern, Respekt vor dem Fußball, Respekt vor den Schiedsrichtern. Die Regeln zu verstehen und einzuhalten, erachte ich für sehr wichtig und das habe ich einfach getan. Ich denke, dass meine Gegner immer gewusst haben, dass ich mit ihnen respektvoll umgehe und ich daher auch wenig Aggressionen anderer erfahren habe. Ich hatte nie mit einem Gegenspieler große Probleme, aber wahrscheinlich auch, weil ich selbst nicht aggressiv aufgetreten bin. So wie man sich verhält, kommt das auch zurück. Diese Haltung bewahre ich auch als Unternehmer.

ZOE: Herr Lahm, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Dr. Brigitte Winkler.

Die Philipp Lahm-Stiftung

Die Philipp Lahm-Stiftung unterstützt vier Projekte und ausgewählte Initiativen in Deutschland und in Afrika — vor allem in Südafrika — die Sport und Spiel als nachhaltiges Instrument einsetzen, um soziale Werte zu vermitteln und die Bildung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Insbesondere junge Menschen aus unterprivilegierten Familien und Verhältnissen werden unterstützt.

Projektziele in Deutschland:

  • Unterstützung der Kinder/Jugendlichen bei Entdeckung und Ausbau ihrer individuellen sportlichen und persönlichen Fähigkeiten und Neigungen

  • Förderung der gesunden Lebensführung bei Kindern und Jugendlichen

  • Förderung der sozialen Kompetenz von Kindern und Jugendlichen durch Wertebildung und Persönlichkeitsentwicklung

Projektziele in Afrika:

  • Wertevermittlung durch Sport für Kinder und Jugendliche

  • Schaffung von Trainingsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche

  • Aufbau und Festigung sozialer Strukturen durch das Angebot von Sport-Aktivitäten

  • Unterstützung von Bildungs- und Ausbildungsmaßnahmen

www.philipp-lahm-stiftung.de

www.linkedin.com/in/philipplahm

21-raum.de

Eine ausführlichere Fassung dieses Interviews finden Sie auf unserer Internetseite www.zoe-online.org.

Philipp Lahm ist einer der weltweit renommiertesten Fußballspieler: Er war von 2004 bis 2014 deutscher Nationalspieler und führte die Mannschaft als Kapitän 2014 in Brasilien zum Weltmeistertitel. Von 2011 bis 2017 war er Kapitän des FC Bayern München, der 2013 das Triple aus Deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League gewann.

Er ist Ehrenspielführer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und Botschafter der Bewerbung des Deutschen Fußball-Bundes um die Ausrichtung der UEFA EURO 2024.

2007 gründete Philipp Lahm seine Stiftung für Sport und Bildung. Mit dieser ist er in Deutschland und Südafrika aktiv – hier geht es in allen Projekten um eine ganzheitliche und nachhaltige Erziehung.

Seit dem Ende seiner aktiven Fußballkarriere im Mai 2017 ist Philipp Lahm verstärkt unternehmerisch tätig: Er ist alleiniger Anteilseigner der Sixtus Werke Schliersee GmbH und mehrheitlicher Anteilseigner am Naturkosthändler Schneekoppe GmbH.

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