ZOE
Zeitschrift Organisations Entwicklung
Stand: Januar 2019

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ZOE vom 15.01.2019, Heft 01, Seite 22 - 23, ZOE1290803
OrganisationsEntwicklung > Gespräch > Interview

«Nur das Licht auszuschalten bewirkt wenig»

Verena Tiefenbeck

Verena Tiefenbeck

Dozentin und Leiterin des Bits to Energy Labs an der ETH Zürich. Kontakt: vtiefenbeck@ethz.ch

Verena Tiefenbeck leitet das Bits to Energy Lab an der ETH Zürich am Lehrstuhl für Informationsmanagement. Ihre Forschung ist an der Schnittstelle Wirtschaftsinformatik und Verhaltensökonomik angesiedelt. In großen Feldstudien untersucht sie, wie sich mithilfe von digitalen Technologien Konsumentenverhalten in der realen Welt beeinflussen lässt, vor allem im Bereich Energie- und Wasserverbrauch. Nach Abschluss des Doppeldiplomstudiums «Maschinenbau und Management» an der TU München und der Ecole Centrale Paris forschte Verena Tiefenbeck dreieinhalb Jahre in Boston am Massachusetts Institute of Technology und am Fraunhofer Center of Sustainable Energy Systems. Seit ihrer Doktorarbeit an der ETH Zürich ist sie zudem als wissenschaftliche Mitarbeiterin/Gastforscherin an der Universität Bonn tätig.

Verena Tiefenbeck

ZOE: Welche Erkenntnisse aus der sozialwissenschaftlichen Forschung lassen sich konkret einsetzen, um umweltbewusstes Verhalten zu fördern?

Tiefenbeck: Menschliches Verhalten spielt – neben technologischen Faktoren – eine entscheidende Rolle beim Ressourcenverbrauch. Viele Entscheidungsprozesse im Alltag beruhen jedoch nicht auf rationalen Abwägungen. Sie laufen automatisch, ohne großes Nachdenken, ab und sind zur Gewohnheit geworden. Um diese aufzubrechen, muss man gezielt die Aufmerksamkeit auf einzelne Handlungen lenken – am besten während der Handlung. Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass unser Denken und Handeln systematischen Verzerrungen («Biases») unterliegt. Im Vergleich zu einem rationalen Entscheider gewichten wir systematisch Risiken falsch, akzeptieren Voreinstellungen (sogenannte «Defaults»), bevorzugen den Status quo, achten überproportional auf auffällige Produkteigenschaften und überbewerten zeitnahe Ereignisse. Die Erforschung dieser Mechanismen

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